Deutschland geht unter. Deutschland geht nicht in einem übergeordneten Gebilde "auf", was dem alten Traum vom vereinten Europa entspräche; Deutschland geht in jenem Sumpf aus wirtschaftlichen Interessen, bürokratischen Tollheiten, militärischer Großmannsucht und persönlichen Eitelkeiten, zu dem die EU geraten ist, wie ein Stein unter. Nicht in fünfzig Jahren, nicht in fünf Jahren - nein, in diesen Tagen. Jetzt. Deutschland geht unter, und zwar ganz unabhängig davon, ob diejenigen Recht haben, die warnend rufen: "Die Deutschen sterben aus!", oder ob jene Recht haben, die behaupten: "Wir brauchen Zuwanderung, um zu überleben!" Das ist eine ganz andere Baustelle, und im Angesicht der aktuellen Lage völlig bedeutungslos. Deutschland geht unter. Schneller als die Bevölkerung schrumpfen kann, versinkt das Schiff. Lange bevor die Deutschen ausgestorben sein werden, liegt es auf Grund. Deutschland verschwindet. Deutschland versinkt - und ein Rettungsboot gibt es nicht. Verantwortlich für den Untergang sind fünf große Lecks im Rumpf des Staatsschiffs. Allesamt unterhalb der Wasserlinie. Leck 1 - Exportfetischismus Leck 2 - Neoliberalismus Leck 3 - Antisozialismus Leck 4 - Währungsverzicht Leck 5 - Souveränitätsverzicht Keines dieser Lecks ist durch äußere Einwirkungen entstanden. Kein titanischer Eisberg, kein felsiges Riff wurde gerammt. Keine heimtückische Seemine war beteiligt und niemand hat mit Torpedos Jagd auf uns gemacht. Alle fünf Löcher wurden in den letzten 20 bis 25 Jahren von den verantwortlichen Regierungspolitikern eigenhändig von innen her in den Rumpf gesprengt. Die einzige Entschuldigung, die ich dafür gelten ließe, hieße: "Man hat glaubhaft versichert, man werde uns versenken, fänden wir nicht den Mut, es selbst zu tun." Aber dann müsste diese Entschuldigung auch öffentlich vorgetragen werden. In tiefem Ernst, mit tiefem Bedauern und in tiefster eigener Betroffenheit. Danach wäre zu prüfen, ob nicht auch im konkreten Fall Brecht Recht gehabt hätte, mit der Aussage: "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren." Erst wenn auch dies verneint ist, könnte, bei Würdigung aller Umstände der vorsorglichen Selbstversenkung, eventuell von richtiger Einsicht und richtigem Handeln gesprochen werden. Doch weit und breit hallt alles wider von staatsmännischem Eigenlob. Jedes einzelne Leck wird von denen, die es gerissen haben und von ihren Nachfolgern im Amte in höchsten Tonen gelobt, gerade so, als sei es die vornehmste Aufgabe eines jeden Kapitäns, sein Schiff schnellstmöglich zu versenken. Da ist er wieder, der Verlust kognitiver Fähigkeiten:

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